Erste Schritte zum eigenen Übersetzendenclip – 10 Tipps zum Selberdrehen
@Nicola Denis für Weltlesebühne

Erste Schritte zum eigenen Übersetzendenclip – 10 Tipps zum Selberdrehen

Im Rahmen der Digitalen Weltlesebühne ermuntern und beauftragen wir Übersetzer-Kolleg:innen, selbst Clips oder andere Videoformate zum Thema Übersetzen zu drehen.  Und haben inzwischen selbst reichlich eigene Erfahrung gesammelt, wie man mit wenigen Mitteln gute Ergebnisse erzielt.
Hier 10 Tipps, die ich mit meiner Kollegin Barbara Neeb für einen Workshop „Digitale Formate“ beim Branchentreff Literatur erarbeitet habe. So vermeidet man einige Anfänger:innenfehler  – und warum so ein Clip immer länger dauert, als man denkt:

1) Zeit mitbringen 
Handy einschalten, Text in die Kamera sprechen,  Video hochladen, fertig. So einfach kann es gehen, aber meist läuft irgendetwas schief. Einen Clip nochmal zu drehen geht oft schneller als einzelne Einstellungen nachzudrehen und aufwändiges Schneiden. Zudem muss man sich in Schnittprogramme erst einarbeiten. Ein 3-Minuten-Clip kann – gerade am Anfang –  auch 3 Tage dauern.

2) Auf guten Ton achten! 
Wenn man mit dem Handy dreht (und das ist ja die erste Option), fängt man mit dem Raumton auch die Außengeräusche ein. Das geht von Vogelzwitschern über die Müllabfuhr bis hin zum Handyklingeln im Hintergrund. Also, Störgeräusche möglichst ausschalten und/oder externe Mikrofone verwenden.

3) Sich in gutes Licht setzen!
Aber nicht nur ein störungsfreier Ton ist wichtig, wir wollen ja auch vor der Kamera professionell und gut rüberkommen. Dazu gehört ein wenig Nachhilfe durch zusätzliche Lichtquellen (das können z.B. vorhandene LED-Spots sein).
Ein Fenster ist lichttechnisch ungünstig, das gilt auch für Spiegel, aber dazu später mehr.  

4) Inhalte im richtigen Tempo vermitteln
In einem Video geht es nicht nur um die Bilder, sondern auch um die Inhalte, die wir damit transportieren wollen. Dazu eine Grundregel: Langsamer sprechen, als man es in einer Unterhaltung tut und Pausen machen. Wir neigen immer dazu,  zu viel in Sätze hineinzupacken, Dinge bei unserem Publikum vorauszusetzen, die uns selbst geläufig sind. Hier ist weniger, langsamer mehr.

5) Nicht aus der Hand filmen – Autokorrektur hat ihre Grenzen!
Wenn man sich selbst mit dem Handy aufnehmen will, sollte man sich für das Handy einen festen Standort suchen, damit man unangenehme „Wackler“ vermeidet. Noch besser: Man lässt sich von jemanden (mit Stativ) filmen.

6) Langsame Schwenks
Damit man sein Publikum nicht schwindelig macht: Schwenks mit dem Handy (oder der Kamera) nur sparsam einsetzen und vor allem das Handy  laaangsam bewegen, sonst sind auch da Wackler vorprogrammiert.

7) Format beachten – Hochformat vs. Querformat
Social Media-Plattformen haben oft eigene Vorgaben  für Bildformate. Cliplänge usw. … Für Instagram braucht man unbedingt ein Hochformat, für YouTube wie für andere Plattformen hingegen gilt dagegen immer Querformat.

8) Authentizität ist wichtiger als ausformulierte Texte oder tolles Equipment
Auf den Social Media-Plattformen sind zwar auch viele Profis unterwegs, aber  es wird nicht unbedingt das perfekte High End Technik-Video erwartet. Wichtiger ist, dass man authentisch und natürlich rüberkommt, also z.B.  nicht etwa nur einen Text abliest. 

9) Script aber im Kopf haben
Dennoch sollte man sich vor dem Drehen unbedingt ein Script, ein schriftliches Konzept erstellen:  Was will ich z.B. über meine Übersetzung sagen, welche Einstellungen will ich drehen, was brauche ich zum Dreh? Und dies während des Drehens immer im Kopf behält. 

10) Hintergrund beachten!
Der Abwasch im Hintergrund oder die etwas chaotische „Schmuddelecke“ im Zimmer – wenn man bei sich zu Hause dreht, möchte Übersetzer:in diese Dinge bestimmt nicht im Clip für die Öffentlichkeit verewigen. Also immer genau darauf achten, was im Bild ist, Spiegel oder spiegelnde Fläche können da oft unliebsame Einblicke bieten!

Das Video von Nicola Denis (siehe Bild) ist übrigens ein  wunderbares Beispiel dafür, wie man mit einfachen Mitteln sich als Übersetzende und sein/ihr Projekt sichtbar macht.

Und jetzt viel Spaß beim Selberdrehen!

Demnächst hier auf dem Blog: Rechtliche Fragen und Voraussetzungen für Übersetzer:innen beim Videodreh. 

K.S:

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