Seit 2005 werden jedes Jahr herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen in drei Kategorien mit dem Preis der Leipziger Buchmesse geehrt: Belletristik, Essayistik/Sachbuch und Übersetzung. Die diesjährige Preisverleihung fand am 19. März 2026 in der Glashalle der Messe statt. Ausgezeichnet wurden in der Kategorie Belletristik Katharina Poladjan für ihren Roman Goldstrand, Marie Janine Calic für Odyssee Balkan in der Kategorie Sachbuch und Manfred Gmeiner für seine Übersetzung des Romans Unten leben des peruanischen Autors Gustavo Faverón Patriau, erschienen im Literaturverlag Droschl.
Preis der LBM 2026 an den Übersetzer Manfred Gmeiner
Der Roman ist ein geschickt durchkomponiertes Verwirrspiel, das in die Keller von Häusern, in unterirdische Katakomben und Gefängnisse führt: Dutzende Stimmen bilden in diesem meisterhaften Horror- und Schelmenroman ein Mosaik der düsteren Geschichte Lateinamerikas. Der Autor „Patriau entwirft ein dichtes Netz aus Referenzen, in dem Wahrheit und Fiktion sich ständig verschieben. Unten leben ist ein beklemmender und spannender Roman über das labyrinthische Geflecht menschlicher Erinnerung und die lateinamerikanische Geschichte“.
Manfred Gmeiner habe „diese labyrinthische Erzählung mit spielerischer Eleganz übertragen, ohne jemals den Blick auf ihre eigensinnigen Figuren, die literarischen Querverweise und das magische Funkeln der Poesie zu verlieren“, so die Begründung der siebenköpfigen Jury für ihre Entscheidung.
Überraschungsgast mit Krone
Da wird man nun nominiert für einen angesehenen Preis! Und schon das ist eine große Anerkennung, die zu Recht mit Stolz erfüllt. Dass man diesen Preis dann tatsächlich verliehen bekommt, davon geht man kaum aus. Genauso ging es auch dem Österreicher Manfred Gmeiner: Bis zum Tag zuvor hatte er nicht gedacht, dass er der „Überraschungsgast mit Krone“ bei der gleichnamigen Veranstaltung am 20. März 2026 im Forum Übersetzen auf der Leipziger Buchmesse sein würde. Im Gespräch mit Sabine Baumann hatte er Gelegenheit, seine eigene Überraschung etwas zu verdauen und zu berichten, wie er, der viele Jahre eine spanische Buchhandlung geführt hat, überhaupt zum Übersetzen kam und schließlich die Herausforderung annahm, diesen außergewöhnlich komplexen Roman Unten leben ins Deutsche zu übertragen. Darüber hinaus ging es auch um ganz konkrete Fragestellungen zur Übersetzung selbst, wie etwa zum Umgang mit den unterschiedlichen Sprachebenen, den verschiedenen Stimmen, dem Humor und der Poesie. Veranschaulicht wurde dies durch die Lesung von Textpassagen Spanisch-Deutsch, im Duo mit Sabine Baumann.
Dieses so spannende wie auch kurzweilige Gespräch mit Lesung hat unser DWLB-Teamkollege Julian Müller aufgezeichnet. Für alle, die gern dabei gewesen wären, ist es jetzt auf dem YouTube-Kanal der WLB zu sehen. Hier geht’s zum Video.
B.E.


