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Preiswürdig – Ein Podiumsgespäch zu den Möglichkeiten fundierter Übersetzungskritik

Literaturübersetzung in der Öffentlichkeit

In verschiedensten Kultureinrichtungen, in Buchhandlungen, auf Literaturfestivals und natürlich auch auf den Buchmessen – Literaturübersetzende sind präsent: Sie stellen übersetzte Bücher vor oder geben Einblick in ihren Arbeitsalltag. Sie tauschen sich aus, zum Beispiel im Gespräch mit Kolleg*innen, mit Autor*innen, Lektor*innen und anderen Literatur- und Kulturschaffenden. Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit, Wahrnehmung und Wertschätzung ihrer Arbeit sind ihre zentralen Anliegen. Sie tun das nicht, um sich persönlich ins Rampenlicht zu rücken, sondern um die Bedeutung ihrer Arbeit, also des Übersetzens von Literatur erfahrbar zu machen: Was geschieht, wenn ein Werk übersetzt wird, das oftmals in einer Kultur und einer Sprache entstanden ist, die der unseren sehr fern ist? Wie findet man den Ton, eine eigene Stimme in der Zielsprache und behält dabei doch das Original im Auge und im Kopf? Wieviel Freiraum hat man als Übersetzer*in und wie kann man ihn nutzen und gestalten?

Es geht folglich darum zu vermitteln, wie umfangreich und tatsächlich alle Sinne umfassend das Werk- und Rüstzeug ist, das die Übersetzung benötigt – und erst ermöglicht.

Ein Instrument, das das Lesepublikum dabei unterstützen kann, sich einen übersetzten Text zu erschließen, in ihn einzudringen und als eigenständige Schöpfung zu erfahren ist die Übersetzungskritik. Das heißt: Sie könnte und sollte es sein. Die Namen von Übersetzerinnen und Übersetzern werden in Literaturkritiken zwar genannt, wenngleich auch hier noch viel „Luft nach oben“ bleibt. Zumeist wird, falls sie erwähnt wird, die Übersetzung als lobenswert und gut empfunden. Die übersetzerische Leistung wird dann gern mit Superlativen wie zum Beispiel „herausragend“ oder „kongenial“ bedacht. Ein schönes, aber dennoch farbloses Lob, denn was bedeutet das? Was sagt es über den Text? Rezensent*innen begründen ihre Zurückhaltung damit, dass es ihnen an Beurteilungskriterien fehle, dass sie sich nicht ausreichend kompetent hinsichtlich einer fundierten Einschätzung fühlen oder dass es nicht ausreichend Raum gäbe.

Wünsche an eine fundierte Übersetzungskritik

Wen sollte es also wundern, dass aussagekräftige Übersetzungsrezensionen oftmals von Kolleginnen oder Kollegen stammen? Wer könnte wohl besser einschätzen und erfassen, welche individuelle kreative und künstlerische Leistung hinter einem Text steckt als die Literaturübersetzenden selbst! Aber wie erkennt man eben jene kreative Leistung? Und wie lässt sie sich durch Kritik greifbar, anschaulich machen?

Die Literaturübersetzerinnen Kristina Kallert und Karen Nölle tauschten sich im  Podiumsgespräch im Forum Übersetzen im Rahmen der Leipziger Buchmesse 2026  mit ihrer Kollegin Patricia Klobusiczky (Moderation) darüber aus, was man von Übersetzungskritik erwarten darf – und sollte. Ein höchst inspirierendes Gespräch, ein Austausch zu den Wünschen und Erwartungen, veranschaulicht mit vielen praktischen Beispielen.

Die fünfzig Minuten, die für dieses Podiumsgespräch vorgesehen waren, vergingen viel zu schnell. Man hätte noch viel länger zuhören und zuschauen können! Umso erfreulicher für alle, die nicht dabei sein konnten oder es noch einmal vertiefen möchten: Unser Kollege Julian Müller von der Digitalen Weltlesebühne hat dieses Podiumsgespräch auf Video aufgezeichnet, jetzt zu sehen auf dem YouTube-Kanal der Weltlesebühne e.V.

Die Podiumsteilnehmerinnen

KRISTINA KALLERT übersetzt aus dem Tschechischen, u.a. , Jiří Hájíček und Jiří Langer. KAREN NÖLLE übersetzt aus dem Englischen, vornehmlich Frauenliteratur (u.a. Doris Lessing und Alice Munro) sowie Nature Writing, zuletzt jedoch schwerpunktmäßig Ursula K. Le Guin. Die Moderatorin PATRICIA KLOBUSICZKY übersetzt Literatur aus dem Englischen und Französischen, u.a William Boyd und Louise de Vilmorin. Alle Drei sind sie, neben ihrer jahrzehntelangen Übersetzungserfahrung, durch langjährige Juryarbeit mit der Bewertung und Wertschätzung literarischer Übersetzungen vertraut.

B.E.