Bereits zum dritten Mal startet die Digitale Weltlesebühne eine Video-Aktion zum Gastland der Buchmesse Frankfurt: 2020/21 hieß der Ehrengast Kanada, 2024 hieß das Gastland Italien, (s. dazu auch unsere begleitenden Berichte hier auf dem WLB-Blog mit entsprechenden Links zu den Videos).
Gastland 2026 – Tschechien – Ein Land an der Küste
In diesem Jahr steht Tschechien im Fokus mit einem vielseitigen Programm zur Literatur des Gastlandes sowie verschiedensten Themen rund um die tschechische Kultur: „Tschechien – Ein Land an der Küste“, so stellt sich das diesjährige Gastland in Anlehnung an Shakespeares Ein Wintermärchen vor: „Neue Ufer, weite Horizonte: Der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 präsentiert ein Meer der literarischen und kulturellen Vielfalt“.
Katharina Schmidt hat das Video-Projekt der Digitalen Weltlesebühne zum Gastland Tschechien gemeinsam mit Barbara Neeb konzipiert und koordiniert. In ihrem kürzlich hier auf dem WLB-Blog erschienenen Artikel mit vielen zusätzlichen Informationen zum Gastland der FBM 2026 hat sie auch unsere diesjährige Video-Aktion bereits vorgestellt.
Das Projekt wurde gefördert durch den Deutschen Übersetzerfonds und den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.
Elf Videos von Übersetzenden aus dem Tschechischen ins Deutsche – und umgekehrt!
In elf kurzen Videos kommen Übersetzende aus dem Tschechischen und ins Tschechische zu Wort und präsentieren aktuelle, allesamt sehr spannende und zum Teil außergewöhnliche Projekte. Die ersten sechs Videos der Reihe sind jetzt auf dem YouTube-Kanal der WLB zu sehen:
Jana van Luxemburg übersetzt aus dem Deutschen und Niederländischen ins Tschechische. Sie lebt in Prag, wo sie neben dem Übersetzen auch als Fremdenführerin tätig ist. „Mit der Sprache wirklich spielen zu können – mehr kann man sich als Übersetzerin nicht wünschen“, sagt Jana van Luxemburg über ihre Arbeit an der tschechischen Übersetzung von „Blutbuch“ von Kim de L’Horizon (Dumont, 2022), den sie hier im Video vorstellt. In Tschechien erschien der Roman 2023 unter dem Titel „Kniha krve“ bei Host. „Blutbuch“ ist der Debütroman von Kim de l’Horizon. Er wurde mit dem Preis der Jürgen-Pronto-Stiftung, dem Deutschen und dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Kim verfasst Lyrik, Romane und Theaterstücke, macht Rituale und performt, bewegt sich an der Grenze von Literatur und Malerei, Kunst und Wissenschaft, Keramik und Rupaul. „Blutbuch“ gibt einen Einblick in das Leben einer non-binären Person – eine Autofiktion. Die Erzählfigur sucht nach ihrer Herkunft, schreibt Briefe an die Großmutter, stemmt sich gegen die Schweigekultur der Mütter. Der Roman, der Genres, Stile, Formen und Sprachen mischt, wurde in 17 Sprachen übersetzt und außerdem an verschiedenen Theater, darunter auch in Tschechien, für die Bühne adaptiert.
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Ein sehr ungewöhnliches Übersetzungsprojekt präsentiert Mirko Kraetsch in seinem Video: „MYKO“ von Jiří Dvořák. Mirko selbst sagt, dieses Übersetzungsprojekt sei eines der spannendsten seiner gesamten Karriere: Das Buch versammelt einen Jahrgang – zehn Ausgaben – der Zeitschrift MYKO, die von Pilzen herausgegeben wird und sich vor allem auch an Pilze richtet. Hier finden sich nicht nur informative Texte über alles, was auch nur im Entferntesten mit Pilzen zu tun hat, sondern auch Interviews, Märchen und Sagen, Schulaufsätze, Anleitungen zu Experimenten, Gedichte, Leser*innenbriefe und der Wer-wird-Superpilz-Contest: Ein Buch für die ganze Familie voller Ironie und mit knallbunten Illustrationen. Das Buch „Myko. Wissenswertes aus der Welt der Pilze“ von Jiří Dvořák, mit Illustrationen von Daniela Olejníková erschien 2026 bei Ankerwechsel. (Originaltitel: „MYKO“, Baobab, 2023).
Mirko Kraetsch lebt als Übersetzer in Berlin und engagiert sich zudem ehrenamtlich in den Berufsverbänden VdÜ (D), Forum Literaturübersetzen (AT) und DoSlov (SK) sowie in Vereinen, die sich für die Sichtbarkeit von Übersetzer·innen einsetzen (Weltlesebühne und Münchner Übersetzerforum).
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Die tschechische Theater- und Kulturwissenschaftlerin Barbora Schnelle lebt in Berlin. Sie übersetzt sowohl aus dem Deutschen ins Tschechische (u.a. Stücke von Elfriede Jelinek, Peter Handke, Werner Schwab, Yael Ronen, Sivan Ben Yishai) als auch aus dem Tschechischen ins Deutsche ( u.a. Stücke von Roman Sikora, Eva Prchalová, Kateřina Rudčenková, Tomáš Dianiška, Dagmar Fričová). Außerdem arbeitet sie als Kulturmanagerin, Dramaturgin und Theaterkritikerin.
Lisa Wegener 1982 in Leipzig geboren, übersetzt Literatur und Theater aus dem Englischen, Französischen und Niederländischen ins Deutsche. Sie arbeitet als Übertitelerin für Theaterproduktionenbetreut sie Produktionen an Stadttheatern, in der freien Szene sowie als Mitherausgeberin von Anthologien. Sie ist Teil von Drama Panorama: Forum für Übersetzung und Theater e. V. und Mitgründerin des Übersetzerinnenkollektivs buerozwei.berlin. Zusammen mit Barbora Schnelle stellt sie im Video die Übersetzung des illustrierten Romans „Weder Junge noch Mädchen“ von Marita Kelbl vor. Kelbl, die in Tschechien vor allem als Illustratorin bekannt ist, legte hiermit ihr erstes erstes Kinderbuch vor. Es erhielt in Tschechien sehr viel Aufmerksamkeit und gilt als wichtiger Beitrag zur queeren Kinder- und Jugendliteratur. Die deutsche Übersetzung erschien 2026 im ANTHEA Verlag. (Original: Ani holka, ani kluk, Paseka, 2023)
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Susa Wolfrum hat gemeinsam mit Jana Krötsch den Essay-Band „Ich habe es irgendwo versteckt“ von Václav Havel übersetzt, erschienen im Mitteldeutschen Verlag 2026 . In ihrem Video erzählt sie, welche besonderen Herausforderungen die Übersetzung dieser Texte von 1977 für sie beinhaltete: Havel ist eine zentrale Figur der tschechischen künstlerischen wie auch gesellschaftlichen und politischen Szene jener Jahre. Er selbst hatte das Manuskript vor der Staatssicherheit so gut versteckt, dass es erst jetzt und per Zufall wiedergefunden wurde. „Gefunden wurden diese verschollenen Manuskripte in einer Garage in Prag.“, erzählt Susa Wolfrum.
Susa Wolfrum, geb. 1992, lebt in Leipzig und übersetzt Prosa und Lyrik aus dem Tschechischen, ist Preisträgerin des Susanna-Roth-Wettbewerbs 2022 und erhielt verschiedene Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds. Neben dem Übersetzen ist sie als gelernte Buchhändlerin sowie im Bereich Theater und Hörspaziergang tätig.
Ihre Mit-Übersetzerin Jana Krötzsch, geb. 1968, arbeitet als Übersetzerin und Dolmetscherin, Trauerrednerin und Trauerbegleiterin. Neben den Übersetzungen zweier Gedichtbände von Radek Fridrich und eines Kinderbuches von Olga Stehlíková erschienen zahlreiche ihrer Lyrikübersetzungen im Rahmen des Dresdner Lyrikpreises, für den sie auch als Vermittlerin, Dolmetscherin und Moderatorin tätig ist.
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Stefanie Bose lebt in Leipzig. Sie übersetzt Belletristik, Kinderbücher, Lyrik und Sachbücher aus dem Tschechischen und dem Slowakischen. In ihrem Video stellt sie ihre Übersetzung eines Romans von Bianca Bellovà vor: „Der unsichtbare Mann“ erschien 2026 im Wieser Verlag. (Original: Neviditelnýmuž, Host, 2024)
Der Roman ist eine Familiengeschichte auf mehreren Ebenen: Hauptfigur, die sich eines Tages „auf den Weg“ macht, nämlich in ihr Heimatdorf, wo sie versucht herauszufinden, wer sie wirklich ist und was in den Generationen ihrer Eltern und Großeltern schiefgelaufen ist. Wie ihr Vater, der titelgebende „unsichtbare Mann“, auf tragische Weise ums Leben kam und warum ihre Mutter dreißig Jahre lang verstummte…
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Eva Profousová, 1963 in Prag geboren, lebt seit 1983 in Deutschland. Seit 2002 arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin von zeitgenössischer tschechischer und slowakischer Prosa ins Deutsche (Jáchym Topol, Radka Denemarková, Jaroslav Rudiš, Katarína Kucbelová) und Moderatorin, Seminarleiterin und Mentorin. Für ihre Arbeit wurde sie mehrmals ausgezeichnet, zuletzt mit dem Arbeitsstipendium 2026/2027 im Internationalem Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg.
Im Juni erschien bei Hoffmann&Campe ihre Übersetzung des Romans „Schokoladenblut“ von Radka Denemarkovà, die sie in ihrem Video vorstellt. Das Original Čokoládová krev erschienen 2024 bei Host, Brünn: „Aus dem Zug gesehen: Böhmen, Frankreich und die USA. Ein Jahrhundertpanorama oder: Eine Abrechnung mit dem 19. Jahrhundert auf 600 Seiten: Großes Daumenkino!“
Barbara Engelmann


